
Sprint in die Weltspitze
Beach-Sprint-Weltmeisterschaft U19 aus Leipzig: Julius Schüller
Dieser Triumph bleibt für immer: Im November 2025 gewinnt Julius Schüller Gold bei der Beach-Sprint-Weltmeisterschaft U19 in Antalya. Für den Leipziger und den Deutschen Ruderverband (DRV) ist es der erste Goldtitel überhaupt in dieser jungen Disziplin.
Spannend ist der Weg, den der Junioren-Doppelzweier mit Julius Schüller und seinem Partner Julius Blümel vom Berliner Ruder-Club im Vorfeld genommen hat. „Eigentlich sollte Julius im Einer starten, hatte sich aber den Fuß gebrochen und musste pausieren. Daher entschied der Trainer, dass er stattdessen mit mir zusammen im Zweier antritt“, erinnert sich Julius Schüller. „Im Zweier muss es harmonieren. Im Trainingslager vor der WM haben wir uns extrem entwickelt. Wir haben viel gesprochen, über die Wende philosophiert, das Einsteigen optimiert, unsere Kommandos ausgeklügelt. Julius ist ein hervorragender Partner und wir wurden von Einheit zu Einheit besser. Es fühlte sich wie Durchbruch an“, erzählt der knapp zwei Meter große Athlet vom Akademischen Ruderverein zu Leipzig.

Das perfekte Rennen
Das erste Rennen bei der WM in der Türkei war ein Setzungsrennen, ein „time trial“ gegen die Uhr. „Das war unser bestes Rennen bis dahin. Es war tatsächlich perfekt, und wir haben Selbstvertrauen getankt. Wir waren überzeugt, dass es gut wird.“ Über den kompletten Wettbewerb sagt er fast demütig: „Wir haben uns extrem viel Mühe gegeben“ – Mühe, die mit einem blitzsauberen Sieg gegen Großbritannien im Finale belohnt wurde.
Der 19-Jährige ist ein großer Fan der jungen Sportart Coastal Rowing. Als eigenständige Art des Ruderns findet Coastal auf dem Meer oder auf großen Seen statt. Die Wettkämpfe beginnen am Strand und werden im Duell ausgetragen: Die Athleten sprinten über den Sand ins Wasser, steigen in die Boote und rudern rund 250 Meter. Nach einer 180-Grad-Wende geht es zurück. Am Strand springen sie aus den Booten und sprinten zur Start-/Ziellinie. Die Wettkampfform Beach Sprint wird 2028 in Los Angeles erstmals zum Programm der Olympischen Spiele gehören. In den Wettkampfklassen Einzel Männer und Frauen sowie Mixed-Doppelzweier will der DRV mitmischen. „Coastal ist einfach nur spannend. Es geht um Schnelligkeit, Kraft und reines Durchbeißen – durch die Wellen und den eigenen Schmerz“, beschreibt Julius.
Vom Schwimmen zum Rudern zum Coastal
Das Wasser war schon früh Julius‘ Element. Bereits in der Kindheit hat er vielversprechend bei der Schwimm-Startgemeinschaft Leipzig trainiert und im Brustschwimmen Erfolge gefeiert. „Meine Ausdauer ist sehr gut, ich bin groß und habe ein ausgeprägtes Wassergefühl. Im Jahr 2024 habe ich mich entschieden, beim Rudern mitzutrainieren und wurde bereits nach kurzer Zeit in den Nachwuchskader des DRV aufgenommen.“ Als der bisherige Ruder-Bundestrainer der U19, Adrian Bretting, im April 2025 Bundestrainer des neuen Bereichs Coastal wird, nimmt er Julius Schüller mit. Ende August 2025 folgt auf die erfolgreiche Teilnahme bei der German Coastal Challenge Warnemünde eine Einladung für die U19-Nationalmannschaft. Er qualifiziert sich für den Doppelzweier der Männer. „Im Coastal ist die Athletik wichtiger als die Technik. Das ist mein Vorteil: Ich bin fit, aber rein von der Technik muss ich noch zulegen. Zugleich gibt es beim Coastal kein Lehrbuch wie beim Rudern. Jeder steigt anders ein, jeder wendet anders – du musst dein System finden.“
Zwischen Leipzig und Dresden
Für das beste Training pendelt der Dreizehntklässler zwischen Dresden (Montag bis Donnerstag) und Leipzig (Freitag bis Sonntag). In Dresden besucht er das Sportgymnasium und trainiert am Bundesstützpunkt vorwiegend im Einer bei Tim Grohmann, Olympiasieger im Doppelvierer 2012. Am Wochenende geht es in den Zweier mit Bruno Tucholke – dem Bruder von HCL-Ass Marlene Tucholke – auf den Saale-Leipzig-Kanal in Leipzig-Burghausen. Angeleitet werden sie von Brunos Vater Jens Doberschütz, der 1980 Olympiasieger sowie zweifacher Weltmeister im Ruderachter wurde. „Ich lerne von den Besten“, schwärmt Julius.
Da es beim Coastal Rowing seine Altersklasse U23 nicht gibt, liegt der Fokus jetzt wieder auf dem klassischen Rudern, dem Riemenrudern. „Hier muss ich mich in der U23 etablieren und meinen Status Nachwuchskader 1 bestätigen. Außerdem möchte ich mich bei den Deutschen Meisterschaften der U23 im nächsten Jahr so präsentieren, dass ich mich für die Ruder- WM der U23 empfehle.“
Alle Infos: www.arvleipzig.de
Erschienen in der „Sport Stadt Leipzig“ 4/2026
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