
„Disziplin bringt Dich weiter als Motivation“
Talente-Team der Sportstadt Leipzig: Schwimmerin Carlotta Waizmann
„Sie hat ihr Olympiadebüt in Tokyo mit nur 14 Jahren gegeben und dann in Paris drei Mal Gold und ein Mal Silber geholt“, erzählt Carlotta Waizmann begeistert. Die Rede ist von der kanadischen Schwimmerin Summer McIntosh, die ebenso wie der Franzose Léon Marchand mit vier Gold- und einer Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen zu ihren großen Vorbildern gehört.
Denn Carlotta Waizmann schwimmt erfolgreich bei der Schwimm-Startgemeinschaft Leipzig (SSG Leipzig) und hat ihre Idole, Ziele und Möglichkeiten klar im Blick. Im Nachwuchskader 2 des Deutschen Schwimm-Verbandes trainiert die 16-Jährige vor allem die Disziplinen Schmetterling und Lagen. Zu ihren schönsten Erfolgen zählen unter anderem Gold über 100m und 200m Schmetterling sowie Silber über 50m Schmetterling bei den diesjährigen Jahrgangsmeisterschaften (DJM) in Berlin. Vom European Countries Junior Meeting in Belgrad kehrte sie 2024 mit zwei Medaillen zurück. Dort maß sich die deutsche Auswahl mit zwölf anderen Nationen und Carlotta belohnte sich mit Silber in der Staffel 4 x 200m Freistil und Bronze über die 50m Schmetterling.
Hartes Training mit Wohlfühlfaktor
Für Erfolg im Spitzensport sieht sie zwei wichtige Komponente: Training und mentale Stärke. Carlotta, deren Vater ebenfalls im Schwimmsport aktiv war, zieht seit dem 5. Lebensjahr ihre Bahnen – seit der 1. Klasse trainiert sie erfolgreich im Leipziger Nachwuchs. Mittlerweile fühlt sie sich über die 50, 100 und 200m Schmetterling am wohlsten, auch Kraul und Lagen liegen ihr richtig gut. In der Schwimmhalle Mainzer Straße reißt sie bis zu 6 Kilometer pro Einheit ab, im Traininslager werden in einer Woche zwischen 60 und 80 Kilometer geschwommen. „Unser Trainer sagt immer, Disziplin bringt Dich weiter als Motivation“, erklärt Carlotta Waizmann und nennt gleich etliche Dinge, die ihr dieses enorme Pensum erleichtern. „Wir haben eine sehr gute Trainingsgruppengemeinschaft. Wir unterstützen und pushen uns gegenseitig. Beim Staffeltraining und im Trainingslager genieße ich es als Individualsportler sehr, im Team zu sein. Wenn wir in Zypern, Ägypten oder der Türkei trainieren, dann fühlt sich das manchmal wie ein Familienausflug an. Nach einem anstrengenden Tag spielen wir abends Karten oder tauschen uns mit den Schwimmern aus anderen Ländern aus. Das erlebst Du in so jungen Jahren wohl nur im Sport und es bringt Dich in der persönlichen Entwicklung weiter“, sagt Carlotta Waizmann.
Am qualifizierten Landesstützpunkt bei der SSG Leipzig und auch auf dem Sportgymnasium fühlt sich die gebürtige Leipzigerin ebenfalls wohl. „Wir haben einen erfolgreichen Standort und tolle Trainer. Zu den Jahrgangsmeisterschaften sind wir regelmäßig die beste Mannschaft und als ‚blaue Wand‘ gefürchtet“, berichtet sie. „Ich finde es auch richtig gut, dass die Coaches Abwechslung reinbringen und wir z. B. auch mal eine Woche Skifahren gehen oder im Sommer im Freiwasser schwimmen.“ Durch die Schule – in ihrer 9. Klasse sind beispielsweise auch die Wasserspringer Charlotte Lederer und Louis Förster – ist sie zudem im Austausch mit anderen Talenten der Sportstadt Leipzig.
Mit mentaler Stärke zu den nächsten Zielen
Für die mentale Stärke als zweiten Baustein des Erfolgs vertraut sie auf ihren Trainer Sebastian Zechlin. „Im letzten Jahr hatte ich eine Lungenentzündung und da lief die Deutsche Meisterschaft natürlich nicht wie erhofft. Ich hatte negative Gedanken. Mein Trainer hat mir gesagt: ‚Schwimm Dein Rennen für Dich‘ oder auch ‚Sei mit Deinem Ergebnis zufrieden‘. Man muss fokussiert und trotzdem frei im Kopf sein“, fasst es Carlotta zusammen.
Fokussiert ist sie in jedem Fall auf ihre nächsten Wettkämpfe. Beim Saisonhöhepunkt, den Europameisterschaften der Junioren (JEM), die erstmals seit 40 Jahren wieder in Deutschland stattfinden werden, will sie ihr Potenzial zeigen. Vom 7. bis 12. Juli werden die Titelkämpfe in München ausgetragen. Der Qualifikationszeitraum beginnt bereits Mitte April. Schließlich hat sie ihren Kaderstatus im Blick und möchte den nächsten Step gehen: die Normzeit für den Nachwuchskader 1 erfüllen.
So gut sich Carlotta in Leipzig fühlt – für den Traum von der internationalen Schwimmlaufbahn kann sie sich einen Umzug in die USA vorstellen. Das US-College-Sportsystem verbindet Leistungssport mit akademischer Ausbildung und ist aufgrund der möglichen Stipendien auch für deutsche Athleten überaus interessant. „Das Sportsystem dort ist hochprofessionell und ein Sprungbrett auf dem Weg in die Profikarriere. Die Trainingsbedingungen und die gesamte Betreuung sind schwer zu toppen. Das würde mich schon reizen.“
Mehr Informationen: https://ssg-leipzig.de
Beitragsfoto oben: Sportstadt Leipzig
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