Olympia-Silber Empfang: Sportstadt Leipzig feiert Felix Straub

 „Dieser Erfolg ist über viele Jahre aufgebaut und bedeutet Detailarbeit an etlichen Stellen“

Der Medaillentraum ist wahr geworden: Bobsportler Felix Straub kehrte mit Silber von den Olympischen Winterspielen in Cortina d’Ampezzo nach Leipzig zurück. Im Team von Francesco Friedrich krönte der ehemalige Sprinter seinen langen Weg als Spitzensportler. Beim heutigen Empfang in der gleichnamigen Rooftop Bar – das Restaurant „Felix“ am Augustusplatz – ließ sich Felix Straub von der Sportstadt Leipzig, Familie, Freunden und Wegbegleitern feiern und erzählte von seinem Abenteuer Olympia. Zu den ersten Gratulanten gehörten Heiko Rosenthal (Bürgermeister und Beigeordneter für Umwelt, Klima, Ordnung und Sport der Stadt Leipzig), Polizeipräsident René Demmler als Felix‘ Arbeitgeber, Bernd Merbitz (Präsident SC DHfK Leipzig e. V.), Roland Geistert (Ortsvorsteher Liebertwolkwitz) und Tom Scheunemann, der als Reporter in Mailand vor Ort war.

Für den gebürtigen Ansbacher Felix Straub ist Silber beim Olympiadebüt ein großartiger Erfolg. Bei den Olympischen Spielen (4. bis 22. Februar 2026) wie auch im vorangegangenen Weltcup mussten sich die Männer um „Bob-Dominator“ Francesco Friedrich einzig Dauerrivale Johannes Lochner geschlagen geben. In der Pista Olimpica Eugenio Monti stieg „Franz“ Friedrich, vierfacher Bob-Olympiasieger und 18-facher Weltmeister, mit seinen Anschiebern Matthias Sommer, Alexander Schüller und Felix Straub in den Viererbob. Am Ende trennten sie 0,57 Sekunden Rückstand von olympischem Gold.

Beim Empfang sagte Felix Straub nach einem kurzen Einspieler zu seinem Abschlusslauf: „Das ist immer noch Gänsehaut pur und Kribbeln im Bauch – die Emotionen sind wieder da. Seit ich 16 Jahre alt bin, trainiere ich täglich in der Leichtathletik und Olympia war immer ein Ziel, eine Medaille ist jedes Sportlers Traum. Dieser Erfolg ist über viele Jahre aufgebaut und bedeutet Detailarbeit an etlichen Stellen. Es ist ein riesen Apparat und dahinter steht ein tolles Team.“ Zu seiner Zukunft befragt, sagte er: „Aktuell sind wir müde von der Saison, es gab Höhen und Tiefen und jetzt ist die Luft erstmal raus. Aber nach einem Monat Sportpause legen wir wieder los. Francesco hat Bock und ich will auch dabei bleiben.“ Sportbürgermeister Heiko Rosenthal verfolgte die Olympischen Spiele im Urlaub: „Wir haben mitgefiebert, auch wenn Leipzig für Wintersport nicht die erste Adresse ist. Vielleicht müssen wir da den Schalter umlegen. Für den Athleten freue ich mich sehr: Felix Straub war ein sehr erfolgreicher Leichtathlet und ich als Bobsportler noch besser.“ Felix Straub befürwortet die Stärkung des Wintersports in der Stadt in jedem Fall. „Eine Anschubstrecke wie in Riesa oder Magdeburg hier in Leipzig – das wäre gerade für Talente und den Nachwuchs ganz wichtig.“

 

Mit Blick auf die Bewerbung Leipzigs um die Olympischen Spiele innerhalb der Konzeption Berlin+ erklärte Heiko Rosenthal, Olympiabeauftragter der Stadt Leipzig: „Natürlich habe ich auf die Olympischen Ringe geschaut und überlegt, dass dieses Event im Sommer bei uns stattfinden könnte. Für eine erfolgreiche Bewerbung gibt es viel zu tun, denn wir werden ein gutes Konzept abgeben, mit dem wir München die Stirn bieten können.“ Schließlich überreichte er im Namen der Sportstadt Leipzig eine Ballonfahrt. Im Frühling kann Felix Straub zusammen mit seinem Team und Trainer Gerd Leopold abheben und im Korb von Ballonpilot André Friedrich Leipzig von oben bewundern.

Tom Scheunemann, der in Mailand unter anderem die Eishockeyspiele kommentierte, berichtete von der Stimmung vor Ort. „Mailand war angezündet im Olympiafieber – alle waren freundlich, hilfsbereit und es war eine vollkommene Willkommenskultur. Auch die Stadt hat vom Event profitiert und beispielsweise beim Thema Infrastruktur einen riesen Schritt gemacht. Wir sollten alles daran setzen, die Olympischen Spiele in unsere Stadt zu holen.“

Als Felix Straub zugab, in Zukunft auch mal einen Monobob testen zu wollen, um sein Talent als Pilot auszuloten, mahnte Polizeipräsident René Demmler zur Vorsicht. „Als Dein Arbeitgeber muss ich sagen: Du wirst bei uns noch gebraucht, sei achtsam. Davon abgesehen sind wir irre stolz, denn Du bist erst der zweite Olympiamedaillengewinner bei der Leipziger Polizei.“ Bernd Merbitz berichtete als Präsident des SC DHfK Leipzig e. V. vom Werdegang seines ersten Bobsportlers. „Die Kooperation mit Altenberg war ein schwerer, am Ende wunderbarer Weg. Wir sind über die Silbermedaille sehr happy und hoffen auf weitere Athleten, die sich aus dem Leichtathletikzentrum heraus in den Bobsport entwickeln“, so Merbitz, der neben einer Flasche Brotschnaps zwei Karten für „Herr der Ringe“ überreichte. Schließlich gratulierte Roland Geistert als Ortsvorsteher von Liebertwolkwitz, Felix‘ Wohnort in Leipzig: „Wir haben rund 5.400 Einwohner und alle sind überwältigt, so einen großartigen Sportler in der Nachbarschaft zu haben.“

Galerie – Glücksmomente, die verbinden.

Felix Straub: Von der Tartanbahn in den Eiskanal

Der 28-jährige Felix Straub war zunächst ein erfolgreicher Leichtathlet: Im Jahr 2017 holte ihn Trainer Ronald Stein zum SC DHfK Leipzig e. V. – ein Mentor, dem er bis heute tief verbunden ist. Gemeinsam feierten sie Erfolge, unter anderem Gold mit der Vereinsstaffel über 4 x 100 Meter bei den DM 2019 und Silber bei den Hallen-DM 2020. Im Trikot der Nationalmannschaft gewann er 2021 Staffel-WM-Gold über 4 x 200 Meter. Als die Leidenschaft Sprint nachließ, liebäugelte er mit einem Wechsel in den Bobsport – immer unter der Voraussetzung, dass er in Leipzig bleiben kann und vom SC DHfK Leipzig e. V. und der Sportstadt Leipzig unterstützt wird. Obwohl er zuvor nie im Bob saß, klappte der Wechsel reibungslos. Seit der Saison 2022/23 ist er nun Anschieber auf der letzten Position, die für ehemalige Sprinter optimal ist. Felix Straub hat seit dem Ende seiner Leichtathletik-Laufbahn an Muskelmasse zugelegt und bringt mittlerweile rund 95 Kilo auf die Waage. In seiner ersten Saison nahm er mit dem Team Francesco Friedrich an zwei Weltcuprennen teil und errang den Vize-Europameistertitel. Den ersten Weltcupsieg feierte er 2023. In der Saison 2023/24 startete er bereits in sechs Weltcuprennen. Seine größten Erfolge bisher: Gold bei der EM 2023 sowie bei den Weltmeisterschaften 2024 und 2025.

Modell für die Zukunft der Talententwicklung

Felix Straub ist der erste Bobsportler, der für den SC DHfK Leipzig bei Olympischen Spielen an den Start ging. Vom Sprinter zum Bob-Anschieber – diese Erfolgsgeschichte soll auch ein Modell für die Zukunft der Talententwicklung sein. Jahre intensiven Sprinttrainings haben die Grundlagen gelegt: Explosivität, Schnellkraft, ein ausgeprägtes Gefühl für Rhythmus und Timing. Eigenschaften, die im Sprint über Medaillen und im Bob über den perfekten Start entscheiden. Mit der neu gegründeten Bobabteilung am LAZ Leipzig bekommt dieser Weg nun auch eine strukturelle Heimat. Leipzig setzt auf sportartenübergreifende Entwicklung und kurze Wege zwischen Sommer- und Wintersport. Sprintstarke Athletinnen und Athleten erhalten frühzeitig Einblicke in den Bob- und Skeletonsport, Trainingsmethoden werden miteinander verzahnt, Perspektiven erweitert. Damit entsteht ein Ansatz, der über klassische Disziplingrenzen hinausgeht. Gerade für Sprinter, deren Leistungsfenster oft eng ist, kann der Bob eine zweite sportliche Heimat bieten.

Fotos: Sportstadt Leipzig/ Rudolf Wernicke

Blogbeitrag „Jetzt will ich den Titel“