
Der stärkste Teenager der Welt
Porträt „Sport Stadt Leipzig“: Kraftsportler Adrian Riess
Mit 18 Jahren gehört Adrian Riess zur Weltelite im Kraftsport. Im Oktober 2025 gewann er den WM-Titel in der Disziplin „Strict Curl“. Und der Leipziger arbeitet bereits auf weitere Triumphe hin.
Mit Schultern und Gesäß an die Wand gelehnt, eine Langhantel in der Hand, die nur mit der Kraft der Bizeps-Muskeln langsam nach oben geführt wird: Das ist Strict Curl. Der Leipziger Adrian Riess hat in kurzer Zeit die weltweite Szene der boomenden Disziplin aufgemischt. Im vergangenen Jahr holte sich der 18-Jährige in seiner Altersklasse zunächst bei den Europameisterschaften in Polen den Sieg inklusive Weltrekord. Wenig später gewann er in Ungarn den Weltmeistertitel. Damit gilt er aktuell als stärkster Teenager der Welt. 60 Kilogramm brachte er in Ungarn auf die Hantel. Damit war er der erste Athlet seiner Klasse, der 100 Prozent seines Körpergewichtes im Strict Curl bewegen konnte. „Das war alles ziemlich surreal. Ich habe es erst viel später realisiert, das war Wahnsinn“, schwärmt Riess noch ein halbes Jahr später.
Durch Social Media zum Strict Curl
Auf die Kraftsport-Disziplin aufmerksam geworden ist Adrian Riess vor einigen Jahren durch Videos auf verschiedenen Social-Media-Kanälen. Inzwischen gehört er selbst zu den Stars der Szene, die regelmäßig Videos auf Instagram, YouTube und Co. posten. „In anderen Disziplinen geht es nicht um Kraft, sondern vor allem um die Technik. Da gibt es eine große Grauzone, ob der Versuch überhaupt gültig ist oder nicht. Das gibt es beim Strict Curl nicht. Da gibt es klare Regeln und eindeutige Sieger – ohne Schummeln. Außerdem gibt es bei dieser Disziplin nicht so viele Verletzungen.“
Doch wie schafft man es, solche Gewichte nur mit der Kraft seines Bizeps nach oben zu bewegen? Vier Mal pro Woche zwei bis drei Stunden hartes Training, gesunde Ernährung und acht bis neun Stunden Schlaf pro Nacht sind Adrians Erfolgsrezept. „Ich habe mich in den letzten Jahren damit auseinandergesetzt, wie Muskeln funktionieren und wie man sie aufbaut“, sagt er. Einen Trainer hat er nicht, coacht stattdessen trotz seines jungen Alters sogar einige andere Athleten. Da die beim Strict Curl gehobenen Gewichte immer im Verhältnis zum Körpergewicht stehen, kommt es im Wettkampf auf jedes Gramm an, betont Riess. „Deshalb halte ich mein Gewicht vor dem Wettkampf immer so niedrig wie möglich, unter anderem mit weniger Essen und Sauna.“ Das sei oft ziemlich hart, schließlich beträgt der Unterschied zwischen Normalgewicht und Wettkampfgewicht mehrere Kilogramm. Wenn kein Wettkampf ansteht, gönnt sich der junge Sportler zwischendurch auch mal Chips oder einen Burger.
Schon früh hat sich der Athlet um seinen Körper gekümmert. „Mit sieben oder acht Jahren hab ich mir meine ersten Hanteln gekauft“, erinnert er sich. „In der Schule war ich immer der Stärkste und habe beim Armdrücken gewonnen.“ Irgendwann war ihm das Trainieren in den heimischen vier Wänden zu wenig, deshalb ging er im Juni 2023 erstmals ins Fitnessstudio. Parallel dazu betrieb er den Kampfsport Mixed Martial Arts und Calisthenics.
Neue Titel und Rekorde im Visier
Am ersten Mai-Wochenende stehen die Internationalen Deutschen Meisterschaften in Halle/Saale an; ein Wettkampf, der für Adrian Riess eine besondere Bedeutung hat. „Im letzten Jahr habe ich dort meinen ersten Strict-Curl-Wettkampf bestritten und gewonnen, mit internationalem Rekord. Da habe ich einen 1,50 Meter großen Pokal bekommen.“ Den will er auch diesmal mit nach Hause nehmen. Die Jahres-Höhepunkte stehen im Herbst auf dem Programm. Im September findet in Polen wieder die Europameisterschaft statt, Termin und Ort stehen noch nicht fest. Vom 27. Oktober bis 1. November will er in Ungarn seinen WM-Titel verteidigen.
Nach den Meistertiteln vom Vorjahr ist Adrian in der Szene der „Gejagte“. „Ich werde jetzt natürlich anders wahrgenommen. Alle wollen mich besiegen“, sagt er. „Das spornt mich zusätzlich an.“ Auf der Jagd nach weiteren Rekorden und Titeln hat Adrian Riess zum Thema Doping eine klare Meinung: „Ich habe noch nie Steroide oder andere Dopingmittel genommen und werde das auch in Zukunft nicht tun“, sagt er. „Ich weiß, dass leistungssteigernde Substanzen in der Szene verbreitet und sogar in Wettkämpfen erlaubt sind. Ich gebe zu, dass ich auch mal darüber nachgedacht, mich aber bewusst dagegen entschieden habe. Ich will meine Leistung ehrlich bringen – ohne Doping.“
Instagram: www.instagram.com/adi.rie
von: Andreas Wendt
Fotos: Adrian Riess (privat)
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