Ein Hauch von Hawaii

Titelthema „Sport Stadt Leipzig“: Triathlon-Sommer in Leipzig

In Leipzig finden in diesem Jahr gleich zwei Triathlon-Höhepunkte statt: Der traditionsreiche Leipziger Triathlon und die Erstausgabe des Ironman 70.3. Ein Fest für Fans und Spitzenathletinnen wie Bianca Bogen.

Das Jahr 2026 hält für Triathlonenthusiasten und solche, die es werden wollen, in Leipzig und Umgebung Besonderes bereit. Neben der 43. Ausgabe des etablierten Leipziger Triathlons über die Olympische Distanz (25. und 26. Juli) am Kulkwitzer See – das traditionsreichste Rennen im Osten mit gut 1.500 Startern – steigt auch die hochklassig besetzte Premiere des Ironman 70.3 auf der Mitteldistanz am Cospudener See (23. August) mit etwa 2.600 Startern. Zwei Veranstaltungen mit unterschiedlichem Charakter, die die Triathlonszene in ihren Bann ziehen.

Der Leipziger Triathlon versteht sich als großes Familientreffen der Freunde des früher so genannten Ausdauer-Dreikampfs mit Schwimmen, Radfahren und Laufen. An der DHfK waren die Pioniere der Sportart Vorreiter in der DDR, noch bevor es den Begriff Triathlon überhaupt gab. Aus dieser Tradition heraus hat sich nach der Wende der Leipziger Triathlon e. V. gebildet. Daniel Stefan, im Vorstand des Vereins, erklärt, worin die besondere Faszination des Rennens liegt: „Wenn du das erste Mal mitmachst und beim Schwimmen neben einem Weltmeister ins Wasser steigst, hat das natürlich einen besonderen Reiz für Breitensportler und alle, die es ausprobieren wollen“, sagt er. Neben der olympischen Distanz bietet der Fitnesstriathlon (26. Juli, 15 Uhr) über die Sprintdistanz sowie der Jugendtriathlon (25. Juli) auch Einsteigern die Chance, sich auszuprobieren.

Markenzeichen Hawaiihemden

Daniel Stefan selbst ist als begeisterter Schwimmer und Radfahrer – das Laufen eignete er sich erst später an – erst als junger Erwachsener zum Triathlon gekommen. Und die Faszination des Sports ließ ihn nicht mehr los. Am Tag des Rennens tragen alle Vereinsmitglieder mit selbstironischem Blick auf den großen Ironman auf Hawaii die gleichnamigen bunten Hemden, um im Gewusel erkennbar zu sein. Inzwischen ein Markenzeichen.

Bianca Bogen war erst sechs oder sieben Jahre alt, als sie gemeinsam mit ihrem Bruder Rico über die Distanz für Kinder beim Leipziger Triathlon mit der Sportart begonnen hat. Sie ist sozusagen mit der Veranstaltung groß und erfolgreich geworden. Auch ihre Eltern sind Stammstarter. „Wenn wir im Sommer im Freiwasser schwimmen, dann am liebsten im Kulki, wo man alles genau kennt“, sagt sie. „Wenn es in den Wettkampfkalender passt, mache ich super gerne mit, weil es halt einfach ein tolles Rennen ist, direkt vor der Haustür.“ Auch in diesem Jahr will die Gewinnerin der letzten beiden Ausgaben des Leipziger Triathlons teilnehmen, sofern es Trainingslager und andere Rennen zulassen.

Bianca Bogen vereint Mutterschaft und Spitzensport

Doch aktuell konzentriert sich die Leipziger Spitzenathletin vor allem auf die Mitteldistanz und hat die Premiere des Ironman 70.3 in ihrer Heimatstadt fest in ihrem Wettkampfkalender eingeplant. „Für mich bedeutet das Rennen viel, weil Familie und Freunde am Streckenrand dabei sein und anfeuern können“, sagt die 27-Jährige. Die Konkurrenz wird hochklassig sein und stark besetzt mit Teilnehmern aus Leipzig und der Region, wie beispielsweise Caroline Pohle. „Nichtsdestotrotz ist mein Ziel, da ganz vorne mitzuspielen und im bestmöglichen Fall eine Top-Drei-Platzierung zu erzielen“, so Bianca Bogen.

Die Leistungen der Ausnahmesportlerin sind umso bemerkenswerter, da sie erst im vergangenen Januar ihr zweites Kind zur Welt gebracht hat. Bei ihrem ersten Rennen über die Mitteldistanz nach der Schwangerschaft gewann sie im Herbst vergangenen Jahres beim 70.3 im tschechischen Hradec Králové prompt. Für sie die Bestätigung, dass man auch mit Kindern erfolgreich sein kann. Derzeit kann sie mit Unterstützung ihrer Familie und ihres Umfeldes „nur“ etwa 15 bis 20 Stunden pro Woche trainieren; andere Profis üben 25 bis 30 Stunden wöchentlich. „Aber das ist mit den Kindern einfach nicht machbar und dementsprechend bin ich super happy, dass es trotzdem derzeit so gut läuft und ich die wichtigen Einheiten so absolvieren kann, dass es für den Wettkampf ausreichend ist“, berichtet sie. Anfangs ging es ihr nach den Schwangerschaften nur darum, wieder Leistungssport zu betreiben. „Inzwischen sehe ich es schon so, dass man auch andere dazu inspirieren kann, dass man Sport und Kinder gut miteinander vereinbaren kann und dies die Leistung nicht schmälert.“

Sprungbrett 70.3

Der Ironman 70.3 ist genau halb so lang wie die volle Ironman-Distanz. Beide Serien liegen in den Händen der internationalen Ironman Group, die sechs Rennen in Deutschland – zwei davon in Frankfurt und Hamburg über die volle Distanz – ausrichtet. „Mit dem 70.3 erreichen wir mehr Leute, die von der kurzen Distanz kommen und nach oben aufsteigen wollen, weil der Sprung von der Olympischen Distanz zur vollen Distanz sonst oftmals zu groß ist“, sagt Daniel Gottschall, Regionaldirektor der Rennen in Deutschland und Luxemburg.

Nicht selten ist der 70.3 ein Sprungbrett für Profis zur Langdistanz, die auch Rico Bogen gerade anstrebt. Über hundert 70.3 Rennen gibt es pro Jahr auf der ganzen Welt. Das „Hawaii“ der 70.3-Athleten ist die Weltmeisterschaft in Nizza, der Geburtsstätte des europäischen Langstrecken-Triathlons. Die Begeisterung auch in Leipzig ist groß – nach nur einem Monat war die Veranstaltung mit über 2.800 Anmeldungen ausgebucht. „Für uns war es einfach eine strategische Entscheidung, im Osten Deutschlands Fuß zu fassen, weil wir in der Region, die ja Triathlon-verwöhnt und hochaffin ist, einen weißen Fleck hatten“, erklärt Gottschall. Der Organisator schwärmt von der tollen Kulisse der Leipziger Seenlandschaft und der Attraktivität der Messestadt als Anziehungspunkt, um neben dem Renntag selbst noch einige Tage länger in der Stadt zu bleiben. Leipzig sei schließlich „die Stadt in Deutschland, die Kultur, Dynamik, Wachstum und Modernität verbindet“, so Gottschall. Zieleinlauf wird übrigens in der Quarterback Immobilien Arena sein, wo die Athleten wie durch ein Marathontor einlaufen und die letzten 150 Meter des Halbmarathons in der Halle bestreiten.

Triathlon-Begeisterung in Leipzig

In den kommenden Wochen wird auch das Marketing für die neue Veranstaltung anlaufen, um möglichst viele sportbegeisterte Leipziger zum Start, an die Strecke und zum Zieleinlauf zu locken. In Konkurrenz zueinander stehen die beiden Triathlon-Höhepunkte des Jahres in der Messestadt übrigens keineswegs – im Gegenteil. „Wir merken schon, dass es durch den Ironman 70.3 mehr Anmeldungen und auch größeres Interesse gibt als im vergangenen Jahr“, sagt Daniel Stefan. Für die Sportstadt sei der Ironman 70.3 „ein tolles Ereignis, das allen anderen guttut, denen unser Sport am Herzen liegt. Da kann man sich gegenseitig befeuern.“ Fans und Sportler fiebern bereits beiden Events entgegen.

Mehr Infos: www.leipziger-triathlon.de

www.ironman.com/races/im703-leipzig

von: Thomas Fritz und Ullrich Kroemer

Fotos: Daniel Stefan/Leipziger Triathlon, Ironman

Mehr Informationen: Triathlon-Distanzen

SPRINT: 0,5 bis 0,75 km Schwimmen, 20 km Rad, 5 km Lauf

OLYMPISCH (Kurzdistanz): 1,5 km Schwimmen, 40 km Rad, 10 km Lauf

MITTELDISTANZ (70.3): 1,9 km Schwimmen, 90 km Rad, 21,1 km Lauf

MITTELDISTANZ (T100): 2 km Schwimmen, 80 km Radfahren, 18 km Lauf

LANGDISTANZ (IRONMAN): 3,8 km Schwimmen, 180 km Rad, 42,2 km Lauf