
„Wenn man an sich glaubt, kommt nichts überraschend“
Talente-Team der Sportstadt Leipzig: Judoka Hannes Schürer
Als wir Hannes Schürer zum Talente-Team-Talk treffen, hat er gerade den nächsten Meilenstein in seiner Judo-Laufbahn gemeistert: die Qualifikation für die U18 Europameisterschaft auf Gran Canaria.
Der 16-Jährige von den „Leipziger Sportlöwen“ hat jetzt Anfang Juli mit der Deutschen Nationalmannschaft an den sogenannten Millennium Team European Judo Championships Cadets teilgenommen. Dem hervorragenden 11. Platz in der Gewichtsklasse bis 73 kg war eine optimale Vorbereitung vorausgegangen. Auf ein internationales Trainingscamp im italienischen Riccione folgten intensive Einheiten am Bundesstützpunkt in Köln.
Gerade diese internationalen Trainingscamps (ITC) mit der U18- und U21-Nationalmannschaft sind es, die ihn richtig weiterbringen. „Da mir in Leipzig oft gleichwertige Trainingspartner fehlen, sind die Lehrgänge extrem wichtig für meine Entwicklung. Fünf bis zehn Mal im Jahr habe ich da die Chance, auf neue, starke Gegner zu treffen, Kampfstile kennenzulernen und Erfahrungen zu sammeln“, erklärt Hannes, der in der Judo-Bundesliga für den Judoclub Leipzig antritt. Parallel arbeitet er beim Mental Coaching auch an seiner psychischen Stärke. „Im Leistungssport musst Du auch an schlechten Tagen das Beste aus Dir rausholen, Du musst schwächere Phasen durchstehen und mit Niederlagen umgehen. Im ersten Moment ist eine Niederlage wie ein Schlag in die Leber. Dann solltest Du in der Lage sein, die Wut und Enttäuschung in Ehrgeiz für das nächste Mal umzuwandeln.“
National und international auf dem Podest
Bereits im Frühjahr 2026 zeigte sich Hannes Schürer auf den großen Judo-Bühnen – und belegte seine bestechende Form. Anfang März fuhr er mit Silber bei den Deutschen Meisterschaften der U18 seinen bisher größten nationalen Erfolg ein. Vor heimischer Kulisse bot sich ihm die letzte Chance auf Edelmetall in dieser Altersklasse. Mit starker Unterstützung von den Rängen durch Familie, Präsidium, Trainerteam und zahlreichen Nachwuchssportlern belohnte er sich mit dem Vizemeistertitel.
Ende März wiederholte er den Sprung auf den zweiten Podestplatz beim international besetzten Bremen Masters. Dass er es mit der europäischen Konkurrenz aufnehmen kann, hatte er bereits im November 2025 beim Europacup der U18 in Ungarn bewiesen. Das mit rund 500 Judoka aus 29 Nationen stark besetzte Turnier zeichnete sich durch hochklassige Kämpfe und eine beeindruckende Atmosphäre aus. „Hannes hat das beste Judo gezeigt, das ich bisher von ihm gesehen habe“, lobte Trainer Frederik Jäde. „Er war extrem fokussiert, hat clever gekämpft und taktisch die richtigen Entscheidungen getroffen.“ Die Bronzemedaille war die logische Konsequenz – aber noch nicht der Jahresabschluss. Bei den Baltic Sea Championships in Orimattila/Finnland setzte er im Dezember noch einen drauf und kehrte mit Gold nach Leipzig zurück. „Das war in der Summe schon cool“, blickt er lächelnd zurück. Warst Du vom Erfolg überrascht? „Wenn man an sich glaubt, kommt nichts überraschend“, bemerkt Hannes selbstbewusst.
Stil: aggressiv und aktiv
Die Trainer schätzen beim aussichtsreichen Nachwuchstalent neben der positiv-professionellen Einstellung insbesondere die Vielfalt seiner Techniken. „Mein Stil ist aggressiv und aktiv. Dadurch ist viel Explosivität in den Auftritten. Meine Schwäche: Ich muss bei Taktikdingen noch dazulernen. Oft bin ich zu gierig und will immer den Ippon anstatt den Kampf einfach mal nur runterzukämpfen, wenn ich in Führung liege.“ Dass er stets bis zum Letzten durchziehen will, sieht Hannes unter anderem in seinem Energielevel begründet. „Ich hatte immer schon viel Energie, war vorher zum Beispiel beim Schwimmen und Turnen. Beim Judo bin ich angekommen – das ist mein Sport. Ich schätze die Vielseitigkeit und dass ich richtig ausgelastet bin. Ich komme an meine Grenzen. Zugleich besiegt man den Gegner, ohne ihn zu schlagen oder zu verletzen. Judo ist ein fairer Sport.“
Positiv in die U21
An den meisten Tagen pendelt Hannes zwischen dem Judotraining und dem Unterricht am Leipziger Landesgymnasium für Sport. Zum straffen Programm gehören bis zu zwei Stunden Training mit Technik, Kraft oder Athletik vor dem Unterricht. Nach der Schule und einer Pause, in der er zum Beispiel zur Physiotherapie geht, steht ab 17 Uhr in der großen Nachmittagseinheit Randori auf dem Plan. Bei dieser Art von freiem Übungskampf werden Techniken unter Widerstand angewendet. Das Ziel ist nicht das Gewinnen, sondern das Ausprobieren von Würfen, Haltegriffen, Hebeln oder Würgern. „Es macht mir wenig aus, dass ich kaum Freizeit habe. Eigentlich kenne ich es nicht anders.“ Das wird sich wohl auch in naher Zukunft nicht ändern. Ab 1. Januar 2027 wird der Wechsel in die U21 ihn herausfordern. „Klar musst ich mich da erstmal wieder beweisen. Aber auf der anderen Seite komme ich als Neuer rein, die wenigsten kennen mich und wenn ich mit Selbstvertrauen rangehe, habe ich immer eine Chance, jemanden zu besiegen. Ich sehe das positiv.“
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