
Zwischen Sorgen und Siegen
Titelthema „Sport Stadt Leipzig“: Handball-Hochburg Leipzig (Teil 1 – SC DHfK Handball)
Die beiden großen Handball-Flaggschiffe der Stadt stehen derzeit voll im Fokus: Der SC DHfK ringt um den Klassenverbleib, der HCL um die Rückkehr in die 1. Liga. SSL hat beide Klubs in entscheidenden Phasen besucht.
Von Ullrich Kroemer und Andreas Wendt
Noch ruhte der Trainingsbetrieb der Handballer von Bundesligist SC DHfK während der Europameisterschaft, als SSL Karsten Günther in der Arena Leipzig zum Gespräch traf. Doch der 44-jährige Manager strahlte nach der Pause über den Jahreswechsel so viel Tatendrang aus, dass er den Trainings- und Ligastart kaum erwarten konnte. „Unser Fokus liegt aktuell nur auf folgenden Punkten: Wie kriegen wir die PS ab dem ersten Spiel 2026 auf die Straße und die Energie, die Überzeugung, die Geschlossenheit und das Feintuning rein, damit wir in den 15 Spielen, die wir haben, das Ziel Klassenerhalt schaffen? Welche Impulse braucht die Mannschaft, wie kriegen wir das Mindset der Spieler dahin, wie können wir sie maximal unterstützen, um diesen Fight erfolgreich zu führen? Und wie kriegen wir unsere Fans vom ersten Spiel an mit ins Boot?“, zählt Günther atemlos auf. „Wenn wir all die Komponenten zusammen bekommen, dann habe ich große Hoffnung, dass wir am 7. Juni mit einem blauen Auge, aber am Ende mit dem Klassenerhalt rausgehen und unsere inoffizielle Deutsche Meisterschaft feiern können.“
Doch bis es soweit ist, liegt noch ein Berg an Arbeit vor den DHfK-Machern. Denn der Klub durchlebt gerade die erste schwere Krise seit der Wiederbelebung der Traditionsmarke vor 18 Jahren. Bislang ging es fast nur bergauf. Dass sich das Team nun plötzlich in akuter Abstiegsnot als Tabellenletzter wiederfand, mussten sie erst einmal realisieren. „Wenn sowas auf einen Verein trifft, der überhaupt nicht auf Abstiegskampf programmiert ist, sondern immer sehr ambitioniert mittel- und langfristig nach vorne denkt, hat es auch bei uns ein Stück gedauert, bis das hier ankam“, bekennt Günther. Doch diesen Prozess haben die Grün-Weißen nun durchlaufen. „Gemeinsam erstklassig“ lautet die Kampagne, man wolle „die Situation positiv annehmen“, erklärt Günther kämpferisch. „Das Gute an der Situation ist, es geht jetzt richtig um was, und es lohnt sich für jeden, jeden Tag früh aufzustehen und bis spät zu arbeiten und zu kämpfen.“
Im November hatte der Klub die Reißleine gezogen und die erst im Sommer neu installierten Trainer Raúl Alonso und Sportdirektor Bastian Roschek entlassen – Tabula rasa bei DHfK. „Wir haben einen Stopper reingehauen, Frank Carstens als neuen Trainer verpflichtet, im Umfeld ein paar Dinge geklärt und mit Dean Bombac einen Führungsspieler dazugeholt, der auch ein verbindendes Element hat und das vom Standing her schon ganz anders leitet“, erklärt Günther seine Beweggründe für das Beben. „Seitdem, glaube ich, sind wir wieder in der richtigen Spur und die Mannschaft funktioniert besser als Team. Wir haben eine klarere Rollenverteilung und ein klareres Spielkonzept.“
„Gnadenlos wirtschaftlichen Schwankungen ausgesetzt“
Dass es überhaupt so weit kommen konnte, ist Folge einer „negativen Kaskade, die ziemlich einzigartig ist“, wie Günther das nennt. Teils wegen einer monatelangen Verletzungsmisere, teils wegen Abgängen aus wirtschaftlichen Gründen brach den Leipzigern ab Oktober 2024 eine komplette Achse an Führungsspielern weg. „Wir hatten ein Jahr lang richtig die Seuche an den Hacken und haben nicht auf den richtigen Weg zurückgefunden“, so Günther.
Das Personalchaos deckte auch strukturelle Schwächen auf. „Unser größter Fehler war, die Gesellschaftsstruktur nicht an die Anforderungen der 1. Liga anzupassen und zu wenige strategische Partner zu gewinnen. Wir sind aktuell, was Standortfaktoren angeht, kein Topverein“, gibt Günther zu. „Wir haben versucht, das mit Fleiß zu kompensieren, sind nun aber gnadenlos wirtschaftlichen Schwankungen ausgesetzt.“ Der Wettbewerbsdruck steigt, der DHfK-Etat von über acht Millionen Euro ist in den letzten Jahren nicht gewachsen. Weniger Investitionen in den Kader, steigende Kosten: Nur noch 40 Prozent des Etats fließen aktuell in die erste Mannschaft, früher waren es 50 Prozent. „Wir müssen unsere wirtschaftliche Struktur breiter aufstellen, um auch künftig den Anforderungen der stärksten Liga der Welt gerecht zu werden“, so Günthers Rezept. Der Manager, Macher des Erfolges der letzten zwei Jahrzehnte, räumt Fehler ein. „Manchmal lagen wir bei Personalentscheidungen daneben und verloren etwas Kontinuität, weil wir hohe Ambitionen hatten“, so Günther. Aus diesen Fehlern lernt der Klub – und schöpft daraus Motivation. „Ich spüre ein sehr, sehr großes Vertrauen von unseren Partnern in den Verein und in die handelnden Personen und einen wahnsinnig großen Support von unseren Fans“, sagt Günther. „Ich glaube, dass wir jetzt wieder eine Konstellation haben, mit der wir erfolgreich sein können.“
Ähnliche Beiträge
4. Februar 2026
Dialogforum „Gemeinsam Richtung Olympia“
4. Februar 2026
Zwischen Sorgen und Siegen
19. Januar 2026
„Jetzt will ich den Titel“
18. Dezember 2025
Zwischen Hürden, Höchstleistungen und Hörsaal
11. Dezember 2025
Mehr Wald für Sachsen
10. Dezember 2025













































































































































