Das Wasser lesen für die optimale Linie

Talente-Team der Sportstadt Leipzig: Slalom-Kanute Jakob Ungvari

Da ist jemand offen für viele Sportarten: Jakob Ungvari war vor dem Treffen beim Volleyballtraining und überrascht mit einem Vintage-Pulli vom FC Bayern München. Doch es gibt für alles eine Geschichte und seine große Leidenschaft bleibt: Kanuslalom.

Der Ausflug in den Ballsport ist schnell erklärt, denn als Individualsportler im Kanuslalom steht im Stundenplan des 17-Jährigen eine Teamsportart. Am Sportgymnasium in der Marschner Straße übt er sich regelmäßig am Netz: „Es gibt einige tolle Sportarten. Ich schaue zum Beispiel auch gerne Ski alpin und Handball.“ Fußball offenbar auch, denn am Abend zuvor hat Jakob in entsprechender Fankleidung den Champions-League-Sieg des FC Bayern München gesehen. Dass der Pullover dabei wesentlich älter als sein Träger ist – Jakob Ungvari hat die Story dazu. „Ich trage Klamotten aus der Familie auf“, lacht er. „Mein Onkel Stefan Wessels war Torwart und von 1998 bis 2003 beim FC Bayern München. Aus der Zeit kommen die Trikots und Sweatshirts.“

Canadier, Kajak oder Cross

Zurück zum Kanuslalom: Hier geht er im Nachwuchskader 1 in der U18 an den Start. Bei seinem Verein Leipziger-Kanu-Club trainiert er bei Philipp Bergner (Landesstützpunkttrainer U16/U18), beim Deutschen Kanu-Verband bei Paul Jork. Die Berufung in die Nationalmannschaft muss dabei jedes Jahr bestätigt werden. „Ende April stehen wieder die Qualifikationswettkämpfe in Markkleeberg und Augsburg an. Da müssen wir alle durch. Jetzt starte ich in der U18, dann kommt die U23 und dann die Leistungsklasse. Das ist der Weg und mein Ziel.“ Weniger festgelegt ist er bei der Bootsklasse beziehungsweise der Frage Canadier oder Kajak? Grundsätzlich geht es im Kanuslalom um Schnelligkeit und Perfektion. Die in der Wildwasserstrecke hängenden Tore müssen möglichst ohne Berührungen durchfahren werden. Im Kajak fährt der Athlet im Sitzen mit einem Paddel und zwei Paddelflächen. Im Canadier wird der Kanal kniend mit einem Stechpaddel absolviert. Vergleichsweise neu und spektakulär ist Kajak Cross. Hierbei springt beim Start eine Gruppe von vier Athleten gleichzeitig von einer Rampe ins Wasser. Die Teilnehmer müssen während des Parcours mehrere Poller umfahren und eine Rolle ausführen. Sie dürfen ihre Gegner fair attackieren und aus der Bahn drängen. Jakob erklärt: „Früher oder später entscheidet man sich zwischen Canadier oder Kajak. Aber aktuell will ich beides machen und am liebsten auch die Qualifikation für beide Boote schaffen. Auch Cross macht mir viel Spaß! Das ist ein bißchen ‚Hau-Drauf‘ und durchkämpfen. Für die Zuschauer ist der direkte Vergleich beim Cross spannender als wenn wir allein gegen die Uhr fahren. Ich finde es gut, dass wir uns dafür öffnen.“

Vom Probetraining bis ins Talente-Team

Dabei arbeitet Jakob Ungvari gerne genau und feilt an seiner Technik. Im Training ist ihm der Vergleich und Austausch mit anderen am wichtigsten. „Kilian (Käding) und ich sind ein gutes Team: Wir sind beste Freunde, wir pushen uns im Training, besprechen Technikfragen und ziehen es zusammen durch. Auch jetzt im Winter, da ist das Training nicht so meins. Wir sind zwar jeden Tag auf dem Wasser, aber machen viel Grundlagen, weniger Technik, Laktat-Intervalltraining für die Ausdauer und sowas.“ Ein guter Freund war es übrigens auch, der ihn zum Kanuslalom animiert hat: In der Grundschule haben sie zusammen ein Probetraining im Kanupark Markkleeberg absolviert. Der Rest ist eine vielversprechende Kanuslalomkarriere, die er im Jahr 2025 unter anderem mit einem 7. Platz im Einzel und einem 3. Platz mit der Mannschaft bei der U18-WM bestätigte. Bei der Junioren- und U23-Europameisterschaft holte er mit dem Team Bronze. „EM und WM sind bei uns anspruchsvoll und vom Leistungsniveau ähnlich, da die meisten sehr guten Athleten aus Europa kommen. Sich international mit den besten seiner Klasse zu messen – da will ich hin“, bestätigt Jakob.

 

Starkes Vorbild und klare Ziele

Einer, dem er nacheifern könnte, ist Michal Martikán. Der slowakischer Kanuslalomfahrer im Kanadier-Einer blickt auf eine beispiellose Karriere zurück und ist für Jakob ein Vorbild. Seit der WM 1995 mit Bronze im Einzel und im Team gehört er zur Weltspitze. „Mit fünf olympischen Medaillen ist er der erfolgreichste Slalomkanute in den Einzelwettbewerben der Olympischen Spiele. Martikán hat so ziemlich alles gewonnen, was es gibt – eine irre erfolgreiche und lange Laufbahn. Ich glaube, dass so ein Erfolg viele Komponenten hat: ein Gleichgewicht aus hartem Training, Ernährung, Lebensstil, Regeneration und Glück. Auch die Erfahrung ist bei uns extrem wichtig. Gute Slalomkanuten lesen das Wasser und erreichen so die optimale Linie“, erklärt Jakob. So hatte er zu Beginn im Kanal in Augsburg durchaus Probleme mit Wasser, Kehrwasser, Strömungen und dem Verhalten der Walzen. „Augsburg ist speziell, während Markkleeberg eher neutral ist. Der Heimvorteil ist bei uns ein großer Faktor, aber mit der Zeit lerne ich zum Glück immer mehr Strecken kennen. Gespannt bin ich auf Krakau, wo ich 2026 zur WM antreten möchte.“ Davor steht die Qualifikation für die Nationalmannschaft bei Wettkämpfen in Augsburg und Markkleeberg. Am 25. April 2026 ermittelt der Deutsche Kanu-Verband e. V. im heimischen Kanupark die besten deutschen Athletinnen und Athleten für die Teilnahme an Kontinental- und Welttitelkämpfen. In diesem Jahr geht es für Jakob um einen der begehrten Startplätze bei der Junioren-/U23-WM in Krakau/Polen und der Junioren-/U23-EM in Epinal/Frankreich. Jakob schätzt seine Ziele selbstbewusst ein: „Natürlich ist eine Medaille immer im Kopf. In die Top 12 will ich auf alle Fälle fahren.“

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