
„Man lernt, leidensfähig zu sein“
Talente-Team der Sportstadt Leipzig: Radsportler Hugo Schiffner
Wenn Hugo Schiffner über sein Training spricht, wird schnell klar: Stillstand ist für ihn keine Option. Der 19-jährige Radsportler des SC DHfK Leipzig e. V. zählt zu den vielversprechenden Talenten im deutschen Radsport, auf der Straße wie auch auf der Bahn.
Zwischen Trainingslager und Rolle im Wohnzimmer
In den Weihnachtsferien war Hugo im Trainingslager in der spanischen Hafenstadt Calpe südlich von Valencia, einem beliebten Ort zur Saisonvorbereitung für Radsportler. „Wenn ich draußen trainieren kann, komme ich auf etwa 25 Stunden pro Woche“, erklärt er. In Schulwochen sind es immerhin noch 18 bis 20 Stunden. Aktuell bestimmen Schnee und Kälte den Alltag, das Radtraining findet fast ausschließlich auf der Rolle zu Hause statt. „Das ist schon langweilig, auch wenn Filme nebenbei laufen.“
Im Winter ergänzt Hugo sein Training durch Laufen, Krafttraining und zusätzlich einer Stunde Schwimmen pro Woche im Schulsport. Seit Kurzem trainiert er unter dem ehemaligen deutschen Radprofi André Greipel, nachdem zuvor Roland Hempel vom SC DHfK Leipzig e. V. sein Trainer war. „Ich muss andere Umfänge trainieren als der Rest“, sagt der Leipziger. Ein Hinweis darauf, wie individuell sein Weg inzwischen gestaltet wird.
Der Spagat zwischen Leistungssport und Schule
Hugo besucht das Sportgymnasium in Leipzig und strebt 2027 sein Abitur an. Die Vereinbarkeit von Schule und Leistungssport ist dabei nicht immer leicht. „Mir fliegt der Lernstoff nicht einfach so zu, ich muss schon einiges machen.“ Perspektivisch kann er sich eine Ausbildung zum Physiotherapeuten vorstellen, auch geprägt durch seine Mutter, die in diesem Bereich arbeitet. Sein Wunsch später als Physio Athleten zu begleiten und dem Sport damit verbunden zu bleiben.
Radsport als Familientradition
Radsport ist in der Familie Schiffner Familiensache und fast 100-jährige Tradition. Bereits Hugos Urgroßvater war als Nationaltrainer aktiv, der Großvater fuhr international als Friedensfahrer und auch sein Vater stand als Profi im Rennzirkus. „Eigentlich blieb da nichts anderes übrig“, sagt der 19-Jährige schmunzelnd. Dennoch wurde Hugo nie gedrängt. Im Gegenteil: Sein Vater nahm bewusst Tempo heraus, ließ ihm Zeit für andere Interessen – wie Fußball – und meldete ihn erst mit neun Jahren beim SC DHfK Leipzig an. Eine Entscheidung, die sich ausgezahlt hat, denn heute führt Hugo als deutscher Juniorenmeister die Familiengeschichte auf dem Rad erfolgreich fort.
Der überraschende Titel
Sein bislang größter Erfolg ist der deutsche Bahnmeistertitel 2024. Ein Moment, der ihm besonders in Erinnerung geblieben ist. „Ich war kein Favorit. Mein Vater ist extra zum Endlauf gekommen, wir haben vorher noch die Taktik besprochen.“ Dass am Ende alles zusammenpasste, lag nicht nur an der körperlichen Verfassung. „Das Mentale spielt eine enorme Rolle. Ich war gut drauf, der Rennverlauf lief perfekt und dann konnte ich alles geben.“
Auch bei den Disziplinen Punktefahren und Madison konnte Hugo mit Gold und Bronze 2024 auf der Bahn sein Talent unter Beweis stellen. Bereits 2023 hatte er bei den Deutschen Meisterschaften auf der Bahn mit Platz zwei über 3000 Meter und Rang vier im Omnium auf sich aufmerksam gemacht.
Straße vor Bahn – vorerst
Aktuell liegt Hugos Fokus klar auf der Straße. Für den Nationalkader auf der Bahn gibt es derzeit keinen Platz und ohnehin empfiehlt man sich über starke Straßenresultate. Seit dieser Saison fährt er für das Leipziger Bundesligateam schnelleStelle.de und ist frisch aus der U19 in sein erstes Jahr in der U23 gewechselt. „Alle im Team sind älter als ich. Da muss ich mich erst einmal beweisen.“ Gleichzeitig schwingt Wehmut mit, dass seine frühere Trainingsgruppe auseinandergegangen ist.
Ziele und Vorbilder
Nach einem krankheitsgeprägten Jahr 2025 lautet das wichtigste Ziel für 2026: gesund bleiben. Sportlich will Hugo in der Rad-Bundesliga der Männer ankommen und die längeren Renndistanzen souverän überstehen. Langfristig hat er die UCI Continental Teams im Blick, die unterste Stufe der Profiligen. „Das wird schwer. In Deutschland gibt es nur zwei bis drei Teams, da musst du schon zu den Top 20 Fahrern gehören.“
Sein großes Vorbild ist der niederländische Radstar Mathieu van der Poel, ein Fahrertyp, der Vielseitigkeit und Explosivität vereint. Hugo selbst sieht seine Stärken eher im Sprint als am Berg. „Doch am Ende ist es die Mischung aus Kraft, Ausdauer und Wille. Man lernt im Radsport, leidensfähig zu sein.“
Auf dem Weg nach oben
Hugo Schiffner steht aktuell auf einem anspruchsvollen Weg geprägt von Disziplin, familiärer Unterstützung und klaren Zielen. Sein größter Traum: Profi werden und eines Tages ein Radsport-Monument gewinnen. Freizeit bleibt dabei kaum, doch für Hugo ist klar: „Ich gebe alles fürs Training.“ Kanu oder Rudern? „Das wäre nichts für mich.“ Radsport dagegen, mit all seiner Dynamik, Härte und Faszination, ist genau sein Weg.
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