
Zwischen Sorgen und Siegen
Titelthema „Sport Stadt Leipzig“: Handball-Hochburg Leipzig (Teil 2 – HC Leipzig)
Die beiden großen Handball-Flaggschiffe der Stadt stehen derzeit voll im Fokus: Der SC DHfK ringt um den Klassenverbleib, der HCL um die Rückkehr in die 1. Liga. SSL hat beide Klubs in entscheidenden Phasen besucht.
Von Ullrich Kroemer und Andreas Wendt
Aufbruchstimmung beim HCL
Etwas weiter östlich in der Brüderstraße, in der Geschäftsstelle und Spielstätte des HC Leipzig, ist die Euphorie aktuell mit Händen zu greifen. Das Team um Kapitänin Pauline Uhlmann ist derzeit auf dem besten Weg zurück in die Bundesliga – erstmals seit der Insolvenz 2017 und dem Neuanfang in der 3. Liga. Die 2. Liga führt der HCL derzeit als überlegener Tabellenführer an. Pauline Uhlmann ist die Symbolfigur des Vereins, der noch immer der mit Abstand erfolgreichste im deutschen Frauen-Handball ist. Nachdem sie ab 2008 alle Nachwuchsteams durchlaufen hatte, erlebte die Rechtsaußen noch die letzten Jahre der großen Erstliga-Zeiten des HC Leipzig – erst als Einlaufkind, dann als Wischerin und schließlich als Spielerin. Beim letzten Erstliga-Spiel vor der Insolvenz im Mai 2017 gegen FrischAuf Göppingen (33:27) war sie mit gerade einmal 16 Jahren mit der Nummer 49 auf dem Feld dabei. Nun ist sie mit 25 Jahren eine der erfahrensten Spielerinnen des Teams. „Wir haben eine tolle Mannschaft, die sich vor allem durch einen starken Teamgeist auszeichnet. Es wäre super, wenn wir den Aufstieg schaffen würden“, sagt die Führungsspielerin: „Dass wir stark genug sind, haben wir in den ersten Monaten der Saison gezeigt. Aber wir drehen jetzt nicht durch, nur weil wir an der Tabellenspitze stehen.“ Statt großer Sprüche und Titelansagen setzt man beim HCL auf harte Arbeit und Leidenschaft.
Spielerinnen aus dem eigenen Nachwuchs
Die Mannschaft von Trainer Erik Töpfer ist mit zahlreichen Spielerinnen aus dem eigenen Nachwuchs gespickt – darunter die vier aktuellen U19-Europameisterinnen Marlene Tucholke, Jana Walther (beide 18 Jahre), Lilly Glimm und Laura Sophie Klocke (beide 19) sowie U18-Nationalspelerin Lisa Lammich (17). Mit der 16-jährigen Linnea Radzeviciute steht das nächste Supertalent bereits in den Startlöchern. Neben der Mannschaft hat sich auch der Verein kontinuierlich weiterentwickelt und insbesondere in den vergangenen Jahren eine deutliche und nachhaltige Professionalisierung vollzogen. Als Lohn kann der Verein nun bis Ende Februar eine Lizenz für die 1. Bundesliga beantragen.
„Wir wissen, dass wir dabei noch eine Menge Arbeit vor uns haben“, sagt Pauline Pegenau, die im Sommer 2024 gemeinsam mit Lars Lammich die Geschäftsführung übernommen hat: „Zunächst einmal müssen wir die finanziellen Voraussetzungen für die 1. Bundesliga schaffen. Die Liga-Regularien stellen uns dabei vor große Herausforderungen.“ Im Falle eines Aufstiegs plant der HCL für die kommende Saison eine Etaterhöhung von 650.000 auf mindestens 800.000 Euro und benötigt dafür weitere Unterstützung von bestehenden und neuen Sponsoren.
Für die 1. Liga muss der HCL die Stadt wechseln
Die zweite große Herausforderung bei einem Aufstieg ist aktuell die Spielstätte. Da die Handball Bundesliga der Frauen (HBF) eine Mindestkapazität von 1.500 Zuschauern vorschreibt, kann in der Sporthalle Brüderstraße (Kapazität: 800 Zuschauer) kein Erstliga-Handball gespielt werden. Erste Option ist derzeit das 1.500 Zuschauer fassende Sportcenter Markranstädt vor den Toren Leipzigs. Als Generalprobe fand dort bereits am 20. Dezember das Zweitliga-Topspiel gegen die TG Nürtingen statt (30:29) – mit großem Erfolg. Die für dieses Spiel zur Verfügung stehenden 1.200 Tickets waren innerhalb kürzester Zeit vergriffen. Auch ein Zeichen der Euphorie und Aufbruchstimmung, die derzeit rund um den Verein herrschen.
„Wenn wir den Aufstieg schaffen, können wir sicher im hinteren Drittel der Liga mithalten. Natürlich wird das erste Jahr schwer, aber es wird nicht unmöglich, die Klasse zu halten“, blickt Lammich selbstbewusst voraus: „Wir haben gewachsene Strukturen, die Mädels spielen seit mindestens zwei Jahren zusammen. Wir haben keinen Star, das ist unsere Stärke. Das wird auch in der Bundesliga so bleiben. Wir werden also nicht auf Teufel komm raus neue Spielerinnen holen. Neuzugänge müssen auf jeden Fall zu unserer DNA passen.“ Spannende Monate liegen vor Leipzigs Spitzenhandball, der im besten Falle in der kommenden Saison wieder zwei Erstligisten hat.
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