
Zwischen Hürden, Höchstleistungen und Hörsaal
Athletenportrait: Leipziger Hürden-Talent Luis Krenzlin
Mit gerade einmal 19 Jahren gehört Luis Krenzlin zu den spannendsten Gesichtern der deutschen Leichtathletik. Der 400-Meter-Hürdenläufer vom LAZ Leipzig, trainiert von Tobias Groenewald, hat sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich in die nationale Spitze vorgearbeitet.
Seit seiner Aufnahme in die Sportförderung der Olympiasport Leipzig GmbH zählt er offiziell zu den Athleten, die die Sportstadt Leipzig auf ihrem Weg begleiten und stärken wird. Parallel dazu studiert Luis Wirtschaftswissenschaften an der Uni Leipzig – ein Leben zwischen Hörsaal, Hürden und Höchstleistungen.
Wertschätzung und Rückenwind
Nach seinem beeindruckenden Sieg bei der Deutschen Jugendmeisterschaft 2025 in Wattenscheid (1. Platz, 51,69 Sekunden) wurde Luis in die Förderung durch die Sportstadt Leipzig aufgenommen. Für den jungen Athleten ist das ein großer Schritt: „Die Förderung bedeutet mir extrem viel. Zum einen ist es eine große Wertschätzung für meine Leistungen, zum anderen eine wichtige Unterstützung im Alltag als Student.“ Als Botschafter der Stadt Leipzig aufzutreten, verleiht seinem sportlichen Weg zusätzlichen Antrieb.
Luis steht seit seinem sechsten Lebensjahr auf der Laufbahn. Seit vier Jahren trainiert er am LAZ Leipzig, wo er sich kontinuierlich steigert, leistungstechnisch wie mental. Einer seiner größten Erfolge: sein DJM-Titel 2025. Der Wettkampf verlief alles andere als ruhig: Ein unerwarteter Feueralarm führte zu langen Wartezeiten, die die Athleten aus ihrem Rhythmus brachten. Für Luis wurde der Moment dennoch zur Chance: „Ich habe mir dann gesagt: Es geht jetzt nicht darum, die Bestzeit zu laufen, sondern weniger schlecht zu sein als die anderen. Das hat irgendwie den Druck rausgenommen.“ Und es funktionierte. Auf den letzten Metern zog er beeindruckend an, ähnlich wie sein Leipziger Trainingskollege Jakob Rödel, der beim Wettkampf über die 3.000 Meter Hindernis auf den letzten Metern alles rausholte und ebenfalls gewann. Auch auf internationaler Bühne hat Luis bereits Erfahrungen gesammelt. Trotz eines Mittelfußbruchs kurz vor der U20-EM zeigte er dort starke Leistungen. Mit 52,2 Sekunden positionierte er sich auf internationalem Terrain auf Platz 17, ein Achtungserfolg unter schwierigen Bedingungen.
Ein langer Weg an die Spitze
Der Mittelfußbruch prägt aktuell noch seinen Trainingsalltag: Viel Regeneration, Grundlagenarbeit, Techniktraining und Stabilisation stehen im Fokus. Ziel ist es, verletzungsfrei zu bleiben und wieder angreifen zu können. Dabei soll auch ein Trainingslager auf Teneriffa helfen. Die nächste Hallensaison will er mit lediglich zwei Wettkämpfen klein halten, um sich voll auf die Deutschen Meisterschaften 2026 zu konzentrieren. Besonders wichtig ist ihm die technische Weiterentwicklung. Luis möchte den typischen 13er-Schritt etablieren, um konstant mit seinem stärkeren linken Bein über die Hürden zu kommen. Derzeit läuft er im 14er-Rhythmus und muss dadurch das Absprungbein variieren. „Es ist ein langer Weg an die Spitze, vor allem jetzt beim Wechsel in die U20. Genau daran will ich arbeiten, denn ein Finale bei den Männern ist perspektivisch das Ziel.“ Und auch ein Traum rückt stetig näher: die Olympischen Spiele in Los Angeles 2028 beziehungsweise Brisbane 2032. Luis bleibt jedoch realistisch: Er möchte Schritt für Schritt gehen, jede Saison sein gestecktes Ziel erfüllen – und das heißt aktuell U23-Europameisterschaft.
Studium und Leistungssport – ein Balanceakt, der funktioniert
Neben dem Leistungssport studiert Luis Wirtschaftswissenschaften. Gerade die flexible Zeitgestaltung an der Uni kommt ihm dabei zugute: „Man muss sich klug organisieren, doch grundsätzlich lässt sich das Studium super mit dem Training vereinbaren.“ Die Herausforderung liegt weniger im Stundenplan, sondern darin, Prioritäten zu setzen und die zahlreichen sportlichen Termine zu integrieren.
Wie bereitet sich der Hürdenläufer auf Wettkämpfe vor? Für Luis spielt das Team eine große Rolle. Nicht alleine zu sein, helfe enorm. Am Abend vor einem Wettkampf geht er häufig mit der Gruppe italienisch essen – Pasta oder Pizza – eigentlich nicht der klassische Pre-Race-Meal-Plan, aber genau das entspannt. Vor dem Start selbst ist Essen kaum ein Thema. Musik dafür umso mehr: Sie hilft ihm, den Fokus zu finden. Luis beschreibt sich als eher kommunikativen Typ am Start. Während manche Athleten komplett in ihren Tunnel gehen und nicht angesprochen werden wollen, sucht er das Gespräch, um sich vor dem Wettkampf etwas runterzufahren.
Abseits der Bahn spielen Ausgleich und Abwechslung eine große Rolle: Luis liest viel über Trainingslehre und Sportpsychologie, hört Podcasts und genießt ganz normale Freizeit, in der er Freunde trifft und den neuen Studienalltag erlebt. Diese Balance hält ihn mental frisch und sorgt dafür, dass er seinen Sport mit Freude ausübt.
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